Die Gedanken befreien – auf den Spuren der Inspiration an der Costa Brava

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Ein Blick aus des Gärten in Cap Roig.

Wie fühlt sich Inspiration an? Es gleicht dem süßlichen Geschmack kindlicher Freude, der auf der Zunge kleben bleibt, wenn das Leben einem soeben eines seiner kleinen Geheimnisse offenbart hat und man genau weiß, dass man mit diesem Schatz anstellen kann, was auch immer man will und sich nicht zum Teilen verpflichtet fühlen muss. So schön das Gefühl, inspiriert zu sein auch ist, umso seltener lässt es sich aus seinen dunklen Verstecken locken – es scheint eher das scheue Reh als das zahme Lamm zu sein und zeigt sich nur dann, wenn man seine Luftschlösser hoch genug in den Himmel wachsen lässt. Ohne Gedankenfreiheit keine Inspiration – denn Fesseln lässt sie sich nicht gerne anlegen. Es können Worte sein, in denen sie sich verbirgt oder ein Film oder ein Kunstwerk. Es kann aber auch ein Ort sein.

Die inspirierende Küstenlandschaft.

Der wohl berühmteste wie auch berüchtigtste Bewohner der Costa Brava, Salvador Dalí, sagte einmal über seinen Heimatort Cadaqués: „Übrigens liebe ich ausschließlich Cadaqués, mein eigenes Zentrum, das die ganze Welt am Rande des Meeres ist.“
Er war nicht der Einzige, dem der raue Küstenstreifen das Herz stahl – es scheint kaum einen bekannten Künstler zu geben, der sich im Laufe seines Lebens nicht mindestens einmal hier her verirrte. Pablo Picasso, Marc Chagall, Henri Matisse, Paul Elúard, Andre Breton, Man Ray und Marcel Duchcamp sind nur einige der vielen Gestrandeten und selbst wenn man mit beiden Füßen fest im Boden verwurzelt ist, wird es in dieser Umgebung schwerfallen, nicht in unbekannte Fantasiewelten abzudriften. Der Duft der Kreativität umweht die Landschaft und schaut man lange genug hin, wird sie zu einer Schatztruhe, aus der sich selbst der Unersättlichste nach Herzenslust an Inspiration bedienen kann.

Die malerische Bucht Cala Conjols.

Tatsächlich gleicht die Costa Brava mit ihrer bizarren Schönheit einem ungeschliffenen Diamanten, auf dessen rauer Oberfläche sich das Licht wie bei dem Blick durch ein Kaleidoskop in einem schillernden Spektrum bunter Farben offenbart. Man muss nur einen Blick auf das Cap de Creus oder die endlosen Strände der Region riskieren. Einem schlafenden Riesen ähnlich rahmt die reglose Silhouette der Pyrenäen das Meer – über den Berghängen treiben Wolkenfetzen im Himmel wie der Hauch eines Atems. In romantischen Bergdörfern wie Oix oder Setcasa hallt das Wispern der Vergangenheit zwischen den steinernen Mauern wieder, in den verwinkelten Gassen der schillernden Küstenstädte kann man sich stundenlang verlieren.

Ein Blick aus des Gärten in Cap Roig.

So laut der Ruf des quietschbunten Urlaubsparadieses der Costa Brava nachhallen mag, gleichermaßen kann sie als Paradebeispiel für jenes ungebändigte, facettenreiche Künstlerleben dienen, dem auch das Surrealistengenie Dalí verfiel – begibt man sich auf seine Spuren und stattet seinem ehemaligen Wohnsitz in Portlligat und seinem Museum in Figueres einen Besuch ab, so ist es unübersehbar, das die Natur in viele seiner Schöpfungen verwoben ist und er in Cadaqués ein Ort gefunden hatte, an dem er seinen Träumen uneingeschränkt nachhängen konnte.Es gibt wohl kaum ein Fleckchen Erde, an dem es leichter fällt, die Gedanken von jenen Fesseln zu befreien und sich für einen Moment der Imagination hinzugeben – unsere berühmten Künstlerfreunde beherrschte diese Technik wohl von Meisterhand. Es ist lohnenswert, sich abseits der Trampelpfade der Reisenden auf die Suche nach seinen eigenen Quellen der Inspiration zu begeben – man wird überrascht sein, wie viele Geheimnisse in verschlafenen Dörfern und einsamen Buchten schlummern und nur darauf warten, zum Leben erweckt zu werden.

Dalí liess sich von der Landschaft inspirieren.

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