Pessebres Viventes – Lebende Krippen

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Alle Jahre wieder um die Weihnachtszeit: In den historischen mittelalterlichen Orten treffen sich engagierte Dorfbewohner – die Enkel und Urenkel des Schusters, des Friseurs, des Töpfers oder des Zimmermanns. Sie haben das antike Werkzeug ihrer Vorfahren aus Schuppen und Abstellkammern gekramt und formieren sich in Innenhöfen, auf Gassen und Plätzen zu lebendigen Bildern. In Báscara, Castelló, Pals, Peralada und anderen Orten werden Werkstätten, Markttreiben und die Geburt Jesu lebendig. „Pessebres Viventes“„Lebende Krippen“ sind Tradition in Katalonien.

Um die Weihnachtszeit wird so fast jedes Dorf mit neuem Leben erfüllt. Manchmal nur für einen Abend – oft an allen Feiertagen. Dann trifft man Familien und Gäste als Darsteller oder Besucher vereint, hört Kinderlachen vermischt mit dem Geschnatter von Enten und Hühnern, unterbrochen vom Hämmern aus imaginären Werkstätten, umwallt vom Rauch aus alten Kaminen, beleuchtet von kleinen Lagerfeuern und dem Schein der Fackeln im Wind. Ein malerisches buntes Bild, bei dem jedes Jahr wieder die richtige Weihnachtsstimmung aufkommt: Katalonien auf einer Zeitreise ins Bethlehem zur Zeit von Jesus Christi Geburt.

Im Hinterland der Costa Brava, in Báscara, trifft man auf eine der eindrucksvollsten Inszenierungen. Hier versetzen alljährlich mehr als 300 Laienschauspieler ihre Besucher zurück in das Palästina von vor mehr als 2000 Jahren. Seit 1973 findet diese Krippendarstellung in den mittelalterlichen Gassen und Gemäuern dieser Gemeinde statt. Die Bilder inmitten einer herrlichen Naturlandschaft am Ufer des Fluviá, vor der Kulisse von zahlreichen Felsen, Quellen und Wasserfällen sind filmreif.

Eine Krippenfigur mit nacktem Hintern sorgt allerdings hier wie auch anderorts bei Nichteingeweihten für Verwunderung. Denn das gibt es wohl nur in Katalonien: unweit dem Christkind in der Krippe lässt jemand die Hosen runter und setzt einen stinkenden Haufen mitten ins schönste Fotomotiv. Wer einen neuartigen Scherz vermutet, liegt damit falsch! In Katalonien gehört dieses merkwürdige Happening schon seit dem Barock zum festen Krippen-Zeremoniell.
Der kleine Caganer – das „Scheißerchen“ gilt als Glücksbringer und spiegelt wohl die katalanische Mentalität wider: man schert sich wenig um das Heilige und denkt lieber praktisch: An das Düngen der Felder und eine gute Ernte danach. Wenn Sie den persönlichen Glücksbringer für 2015 unter dem Weihnachtsbaum suchen: Unter www.caganer.com hat man die Qual der Wahl:Fußballstars, Politiker, Filmfiguren und sogar Königin Leticia sind schon ab 16 Euro mit blankem Po zu haben. Bestseller 2014: der Papst!

Caganer-Bascara

In aller Heiligkeit – wir wünschen schöne Weihnachten und den perfekten Start ins neue Jahr.

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