La Fageda d’en Jordà – Der Zauber des Waldes in der Garrotxa

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Legenden umrankter Buchenwald

Fageda d’en Jordà – so lautet nicht nur der Name eines berühmten Gedichts des katalanischen Dichters Joan Maragall, sondern auch der Name eines von Legenden umrankten Buchenwaldes in der Nähe von Olot. Buchen? In der Tat eine Pflanze, die selten zu finden ist auf der iberischen Halbinsel. Dass hier gleich ein ganzer Wald davon gewachsen ist, hat mit den besonderen geologischen Eigenschaften der Garrotxa zu tun.

Mehrere Dutzend Vulkane hinterließen einen fruchtbaren Untergrund aus Lavagestein, über den sich nicht nur die Buchen freuen. Kaum anderswo im Land ist die Flora und Fauna so vielfältig wie hier. Angst vor noch heißen Lavaströmen und Ascheregen braucht man heute allerdings nicht mehr zu haben: die letzten Ausbrüche liegen mehr als 10.000 Jahre zurück; die letzten Aktivitäten der noch nicht völlig erloschenen Vulkane immerhin schon mehr als 500 Jahre. Um zu dem Wald zu gelangen, fahren wir von Olot aus über die GI-524 in Richtung Santa Pau, um nach vier Kilometern an die Raststätte Can Serra zu gelangen.

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Eine Informationsstelle und ein großer Parkplatz machen sie ideal als Ausgangspunkt unserer Erkundung. Bei einem zu Ehren des Dichters Joan Maragall errichteten Denkmal verlassen wir den Bereich in Richtung Süden durch einen Tunnel unter der Landstraße.

Joan Maragall

Maragall (1860 – 1911), einer der bedeutendsten Vertreter einer Erneuerung der katalanischen Kultur am Ende des 19. Jahrhunderts, war fasziniert von der Einzigartigkeit des Waldes. In seinem Gedicht La Fageda d’en Jordà rühmt er die Stille und Schönheit, denen jeder Besucher unweigerlich verfällt. Wie der einsame Wanderer plötzlich seine eigenen Schritte zählt und verlangsamt, im klaren und saftigen Grün versinkt und sich langsam dem süßen Vergessen der Welt hingibt; schließlich gar zum Gefangenen des Waldes wird…

baum-wurzel

Wir lassen uns auf das Abenteuer ein und nach ein paar Treppenstufen stehen wir schon zwischen den Bäumen. Märchenhaft wölbt sich das Blätterdach. Die dunklen Stämme strukturieren das Grün. Sonnenreflexe tanzen umher. Grantig liegen Steinbrocken verstreut auf dem von Laub übersäten Lavagrund. Ob sich dahinter wohl die Kobolde verstecken, von denen zahlreiche Legenden erzählen? Wir verlassen lieber nicht die rot markierten Pfade des Rundwegs 1, um mehr herauszufinden, denn schon mancher verirrte sich im Labyrinth der Bäume. Neben Fabelwesen leben aber auch höchst profane Geschöpfe im Schatten des Waldes: mitten in der Fageda d’en Jordà liegt die bekannte

Cooperativa de La Fageda

Cooperativa de La Fageda, deren Milchprodukte und leckerer Natur­joghurt in allen katalanischen Supermärkten zu finden sind. Betrieben wird die wirtschaftlich sehr erfolgreiche Farm von etwa 200 geistig behinderten Menschen, die so nicht nur Konsumenten erfreuen, sondern sich selbst ein würdiges und erfülltes Leben ermöglichen.

baum-macroVulkans El Croscat

Wir wandern derweil, 550 Meter über dem Meer, den flachen Hang des Vulkans El Croscat entlang, über den sich der Wald erstreckt. Angenehm kühl und still ist die Luft, selbst bei höchst sommerlichen Temperaturen an der Küste, lässt sich hier wunderbar die Natur genießen. Haben wir da nicht gerade heimlich auf den Rhythmus unserer Schritte gehört? Schauen wir nicht schon ein bisschen zu lange hinauf in die grünen Wipfel? Der Zauber des Waldes ist nicht zu leugnen. Kein Wunder, denken wir uns, hat dieser einmalige Ort nicht nur Dichter sondern auch Maler inspiriert, wie die berühmte Landschaftsschule von Olot. Eine knappe Stunde brauchen wir für unsere Tour. Voller Impressionen gelangen wir zum Auto zurück. Dieses Mal hat uns der Wald wieder freigegeben.

Hinweis: Wer sich nach der Wanderung stärken will, findet viele Restaurants mit regionaler Küche in den umliegenden Orten, z.B. in dem malerischen mittelalterlichen Dörfchen Santa Pau.

Saps on és la fageda d’en Jordà ?

Si vas pels volts d’Olot, amunt del pla,

trobaràs un indret verd i pregon

com mai més n’hagis trobat al món:

un verd com d’aigua endins, pregon i clar;

el verd de la fageda d’en Jordà.

El caminant, quan entra en aquest lloc,

comença a caminar-hi poc a poc;

compta els seus passos en la gran quietud

s’atura, i no sent res, i està perdut.

Li agafa un dolç oblit de tot el món

en el silenci d’aquell lloc pregon,

i no pensa en sortir o hi pensa en va:

és pres de la fageda d’en Jordà,

presoner del silenci i la verdor.

Oh companyia! Oh deslliurant presó!

von: Joan Maragall

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