Costa Brava auf zwei Rädern

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Straße Richtung Lana
Die Straße führt uns von Portbou über Colera bis Llança.

Costa Brava auf zwei Rädern – von der französischen Grenze mit dem Rad bis Barcelona

250 abgefahrene Kilometer, 4 Radpannen und 100 Prozent Adrenalin in der Serpentinenabfahrt – so lautet die Bilanz unserer Fahrradferien entlang der Costa Brava.

Wir, das sind Rafa, leidenschaftlicher Radfahrer aus dem Baskenland und Lea, deutsche Praktikantin an der Costa Brava.

In Portbou direkt vor der französischen Grenze geht es los – ausgerüstet mit Zelt, Schlafsack und Reparaturzeug für die unerwünschten Pannen zwischendurch stürzen wir uns in unsere Abenteuerfahrt.

„Bis Barcelona en bici“, nehmen wir uns als enthusiastisches Endziel vor und rollen uns voller Vorfreude durch die kleinen Gassen von Portbou hinunter zu türkisblauen Buchten. Zugegeben, nach den ersten Metern kommen wir spätestens bei Blick auf die steil aufsteigende Landstraße auf den Boden der Tatsachen zurück. Nicht nur unsere Räder, sondern auch mein Elan wird bei Aussicht auf die 650 Meter hohe Bergkette Richtung Colera und Llança dezent ausgebremst. Was für ein Start und welch’ eine Schnapsidee, denke ich im Stillen – als Studentin aus den Niederlanden, wo Berge nur in Zeitschriften auftauchen, hege ich die ersten Zweifel, auf diese Tour in katalanischer Hitze gut vorbereitet zu sein. Zähneknirschend verlasse ich die serpentinenreiche Landstraße Richtung Colera…

Radweg Colera
Der Radweg nach Colera

Schnell werde ich eines Besseren belehrt – nicht einen Meter bereue ich und keine einzige Sekunde in brühender Hitze am Berganstieg möchte ich missen. Zu schön ist die atemberaubende Aussicht und das Gefühl, sich Stück für Stück die Serpentinen hochzuwinden, während hinter uns der Ferienort Portbou zwischen Hügelketten und Grünpflanzen immer mehr verschwindet. Jeder Moment mit Sicht auf die Bergketten, die sich direkt ins klarblaue Meer tauchen, ist die Mühe wert. Damit uns nichts vom unglaublichen Panorama entgeht, zögern wir nicht lang und fahren die etwas längere Landstraße N-260 mit ihrem hohen Anstieg entlang. Jeder Zentimeter Strecke belohnt uns mit einwandfreier Sicht auf Bergketten, die sich die Küste entlang winden, steilen Abhängen hinter Leitplanken und abwechslungsreicher Pflanzenlandschaft – ganz zu schweigen von der rasanten Geschwindigkeit, die wir bei der Abfahrt nach Überqueren der Hügel erreichen. Mit 43 km/h auf dem Tacho und einem wahnsinnigen Freiheitsgefühl rollen wir nach Colera ein und fahren weiter bis Llança.

Blick auf die Bucht vor Colera
Eine atemberaubende Aussicht auf die Bucht von Colera zeigt sich von der Landstraße N-260.

In Llança begrüßt uns der Nachtmarkt mit bunten Ständen für Kleidung, katalanischem Porzellan und verlockenden Fressbuden an der langen Strandpromenade. Nach einer wahrlich heiß ersehnten Abkühlung in der weiten Bucht kramen wir frische Kleidung aus unseren Radtaschen heraus – nichts wie rein in den Touristentrubel! Mit Pasta und Kalimutxo, dem typisch spanischen Mischgetränk aus Rotwein und Cola, lassen wir den Abend ausklingen, bevor wir müde auf unsere Isomatten fallen.

 

Tag 2: Llança – L’Escala:

Bei einem kurzen Stop am Supermarkt decken wir uns mit Proviant für den Tag ein und breiten zwischen Mülleimer und Autostellplätzen unsere Radfahrkarte aus. Die Sonne steht schon recht hoch, als wir die ersten Berge hinter uns lassen.  Auch am zweiten Tag sind wir noch ganz im Bann der imposanten Landschaft vor unseren Augen. Wir sind plötzlich heilfroh über Flickzeug und Schraubschlüssel, die wir vor unsere Abfahrt eingesteckt haben – die Schaltung funktioniert nicht einwandfrei, die Kette springt ab und zu guter Letzt gibt auch ein Reifen just in dem Moment auf, als wir die Reparaturen schon begonnen haben. Mit ein bisschen Glück kriegen wir die Sache in einem halbwegs schattigen Plätzchen repariert und steuern über die eindrucksvollen Berge den Golf von Roses an.

Landstraße nach Roses
Inmitten der Berglandschaft am Cap de Creus freuen wir uns über Flickset und Reparatur-Crashkurs.

In Roses beim Picknick am Strand kühlen wir uns im Wasser ab und haben einen Blick auf die gesamte umliegende Bucht, die unser weiteres Wegziel sein soll – wenn wir es schaffen, erreichen wir abends den gegenüberliegenden Ort L’Escala am anderen Ende der Bucht. Durch das bunte Treiben kämpfen wir uns über  Santa Margarita nach Empuriabrava die Küste entlang. Es ist vor allem die Abwechslung zwischen der Ruhe und Landschaft in den Bergen zum touristischen Trubel, der die Strecke sehr abwechslungsreich macht. Die nächste Ortschaft auf unserer Route ist Empuriabrava -wegen seiner vielen Kanälen auch als das „Venedig von Spanien“ bekannt. Kurz angehalten und Yachten bestaunt, geht es weiter über die Mugabrücke durch das Aiguamolls de Empordà, das als Naturpark viele Vogelbeobachter anlockt.

Weg durch das Aiguamolls
Ein Paradies für Vogelbeobachter – der Naturpark Aiguamolls d’Empordà.

Hier trifft man auf andere Freizeit-Radler, die mit uns die Fontäne am Haus für Vogelbeobachtung ansteuern. Durch Sant Pere Pescador kommen wir nach L’Escala, vorbei an  zahlreichen Apfelplantagen. So zahlreich sind die Apfelplantagen, dass wir plötzlich vom Weg abkommen. Ich hatte kurz zuvor das Kartenlesen übernommen und inmitten eines Apfelfeldes wird mir klar, dass wir wohl auf dem Holzweg sind – um uns herum plötzlich nur noch mit Gittern eingezäunte Apfelreihen… Huch, mein „Alles mit Absicht! “ ist nicht überzeugend genug, aber was soll’s, bisher läuft alles am Schnürchen –  denn der ein oder andere Apfel, der hier in unsere Tasche fällt, kommt uns ganz gelegen. Wir haben großen Hunger und kommen kurze Zeit später im lebendigen Ortskern von L’Escala an. Insgesamt eine tolle Etappe! Besonders abwechslungsreich durch Berglandschaft, Touri-Trubel auf Küstenebene und ruhigem Strand- und Buchtenflair alles an einem Tag, fassen wir zusammen, als wir unser Zelt im Ortsteil Riells aufbauen und die vielen Bilder mit Postkartenpanorama in unserem Kopf Revue passieren lassen.

 

rafa-zugeschnitten

 

Tag 3: L’Escala – Flaça:

Nach unserer morgendlichen Lagebesprechung vor dem örtlichen Supermarkt, einem Stück Baguette in der Linken und Landkarte in der Rechten, steht unser weiterer Plan fest. Unser nächstes Ziel ist L’Estartit, das wir über die malerische Ortschaft Torroella de Montgrí erreichen. Wir schieben unsere Drahtesel durch die farbenfrohen Gassen von Montgrí, die bei der Wärme durch ihre hohen Fassaden sogar ein wenig Schatten spenden. Nach einem schnellen Abstecher auf den Marktplatz und zur Ortskirche aus heller Barockfassade zieht es uns aber schnell wieder ans Wasser!

 

Radtour Torroella de Montgrí.
Bunte Fassaden auf dem Marktplatz in Torroella de Montgrí.

Einige Kilometer und Schweißperlen später liegen unsere Räder vor den steilen Felsen am Strand von L’Estartit. Hier herrscht buntes Treiben, der Strand lädt zum Baden, Spielen und Flanieren ein. Heut muss unser Glückstag sein, denke ich, als ich am Tretbootstand ein ganz besonderes Highlight entdecke – wie lange möchte ich schon mal ein Tretboot mit angebauter Plastikrutsche ausprobieren! Für eine Stunde begeben wir uns mit dem Rutschenboot in die Wellen vor L’Estartit – ein Riesenspaß ist garantiert!

Estartit Medes
Ob mit oder ohne Tretboot – mein Ausflug ins Wasser vor die Medes-Felsen in L’Estartit war ein voller Erfolg!

Gleichzeitig wird uns klar, dass unser ursprüngliches Endziel und die Idee, Barcelona mit den Fahrrad zu erkunden, nur möglich sind, wenn wir uns etwas einfallen lassen. Improvisation war das Zauberwort seit Beginn unserer Fahrt und so finden wir es eigentlich total gerechtfertigt, ein bisschen zu schummeln. Von l’Estartit fahren wir in Richtung Sant Feliu de Guíxols und nehmen ab dort den Weg ins Landesinnere  – zu einer der zahlreichen Zugstationen bringt uns ein Regionalzug kostengünstig direkt ins Zentrum von Barcelona!

rafa-lea-blog

 

Eine meiner schönsten Urlaube und sehr zu empfehlen! Wer lieber Tagesausflüge sucht oder kürzere Inlandsstrecken sucht, findet auf

sowie unter

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